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Virtuelle Fabrik mit Bodenhaftung
Die Virtuelle Fabrik Euregio Bodensee hat sich dem Markt angepasst

Die 1996 gegründete Virtuelle Fabrik Euregio Bodensee (www.vfeb.ch) hat bis vor wenigen Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Das Virtuelle lag im Trend, die neue Kooperationsform weckte Interesse. Was ist daraus geworden?

Spannende Projekte sind realisiert, ungewöhnliche Aufträge eingeholt worden. In den Bereichen Engineering, Elektro- und Elektronikfertigung, Kunststoffverarbeitung, Veredelung, Prüfung und Logistik, Montage und Marketing vereint die Virtuelle Fabrik Euregio Bodensee höchste industrielle Leistungsfähigkeit.

Generalunternehmung
Konsortiums funktionieren in der Baubranche. Im Maschinen- und Anlagenbau bewährt sich diese Form aufgrund komplexer Aufgabenstellungen, starker Aufgabenverflechtung und internationaler Haftung nur schlecht. Die Generalunternehmung ist nach wie vor die marktgängigere Form, und sie wird auch von den internationalen Industriekunden verwünscht. Deshalb wurde auch die Organisationsform der Virtuellen Fabrik Euregio Bodensee angepasst. In der heutigen Organisationsstruktur repräsentiert der Präsiden die Virtuellen Fabrik nach aussen. Er stellt den Kontakt zwischen dem Anfragenden und den Mitgliedern her. Ein Mitglied welches den Lead übernehmen kann, zeichnet als Generalunternehmer für den Auftrag verantwortlich und zieht Auftrags bezogen die geeigneten Partnerfirmen aus der Virtuellen Fabrik wie auch Drittfirmen hinzu.

Der Generalunternehmer geht grössere Risiken ein, er könne sich dabei aber auf die Zusammenarbeit mit langjährigen Partnern verlassen, so die Aussage von Hr. Schär von Schär Engineering AG aus Flaach. Er tritt seit Jahren mit Erfolg als Generalunternehmung auf.

„Persönlich eingebunden“
Ein Beispiel erfolgreicher Kooperation ist die Entwicklung und Konstruktion eines ferngesteuerten sechsachsigen Patientenpositionierungssystems für das erste europäische Protonentherapiezentrum in München. Der Auftrag sichert für die nächsten zwei Jahre 20 Arbeitsplätze in vier Betrieben. Diese fanden dank der Mitgliedschaft in der Virtuellen Fabrik zusammen und setzten sich gemeinsam gegen bedeutende Mitbewerber durch. In ihrem Kerngeschäft konzentrieren sich die vier Unternehmen auf die Segmente Maschinenbau, Antriebstechnologie, Elektro-Technik und Software-Entwicklung.

„Bei uns gibt es keine Trägheiten, jeder ist persönlich eingebunden“, erklärt Herr Schär den Wettbewerbsvorteil der Virtuellen Fabrik, der auch weiter östlich zum tragen kommt: So wurden in verschiedensten Projekten anspruchsvolle Produkte realisiert: Ein Luftreinigungsgerät mit neuer Filtertechnologie, vom Prototyp bis zur Serie. Ein europäisiertes Design für einen amerikanische Holzpellet-Ofen. Eine Unterwasserbearbeitungsmaschine für Unterhaltsarbeiten an einem japanischen Kernkraftwerk. Diverse Prototypen für die Fahrzeugtechnologie-Forschung der ZF Friedrichshafen: Produkte, die in drei bis vier Jahren in neuen Pkws und Lkws zu finden sein werden.

Margenverlust reduzieren
Im Verbund sind KMU in der Lage, Gesamtleistungen anzubieten, ohne ihre Kernkompetenzen zu vernachlässigen. Die Spezialisten werden so zu Generalisten und halten damit den Margenverlust, den sie als reine Zulieferer zu tragen haben, in Grenzen.

Um die Aufträge kümmern sich die Mitglieder selber. Die Verhandlungen mit den Grossunternehmen führt ein Mitglied, das sich auf deren Einkaufspraktiken spezialisiert hat. „Damit kombinieren wir die Bodenständigkeit unserer KMU mit den aggressiven Einkaufspraktiken internationaler Firmen“, sagt Stefan Bollhalter von der Innotool AG in Rothenhausen.

In den USA und in Japan wird das kooperative Networking massiv gefördert. Auch die EU hat diverse Projekte zur Förderung von Unternehmensnetzwerken lanciert. Die Virtuelle Fabrik ist in verschiedenen Projekten mit dabei.

Kontakt für Rückfragen:
Kurt Meier Präsident Virtuelle Fabrik Euregio Bodensee, M+S Industrielle Automation AG, +41 52 243 01 01